Rudy zaubert im Wohnzimmer

Rudy zaubert im Wohnzimmer

Künstlern wie Rudy Christl aus Regensburg macht Corona zu schaffen. Auftritte brechen weg und damit die Gage. Mit Quarantänekunst wollen sie auf sich aufmerksam machen.

Regensburg – Rudy Christl hat in seinem Wohnzimmer einen Tisch aufgebaut und seine Zauberutensilien verteilt. In seinem ersten Clip, den er mit seinem Smartphone filmt, kümmert sich der Berufszauberer um eins der angeblich wichtigsten Anliegen, in diesem Land: Er zaubert Toilettenpapier herbei. Bei Facebook brachte ihm das jede Menge „gefällt mir“ – Angaben ein. „Ich poste nichts Negatives mehr“, erklärt der 62-jährige Zauberkünstler und Kabarettist. „Nur noch Dinge, die witzig sind und die die Leute auf andere Gedanken bringen.“ Sie sollen aufhören, über Corona nachzugrübeln.

 

Der Zauberer Rudy Christl sorgt für Toilettenpapier-Nachschub. Foto: Rudy Christl

 

Mit seinem Anliegen ist er nicht allein. Die ehemalige Regensburger Studentin und heutige Kabarettistin Christina Baumer aus München hat sich ähnliche Gedanken gemacht. Von der heimischen Couch aus stampfte sie „Quarantänekunst“ aus dem Boden und vereint 40 Künstler aus ganz Deutschland, vorwiegend aus Bayern. „Ich wollte nicht, dass meine Künstlerkollegen depressiv zu Hause sitzen“, sagt die 33-Jährige. „Ärzte sind Helden, aber wir können der Lichtblick am Abend sein.“ Die Künstler wollen vom eigenen Wohnzimmer aus Spaß und Lebensfreude verbreiten. Kunst und Kultur sollen nicht zum Erliegen kommen.

Für Auftrittskünstler wie Baumer und Christl ist die Corona-Krise eine große Herausforderung. Vor einigen Tagen stand Christl noch bei einer Show in Wernberg-Köblitz auf der Bühne und unterhielt 120 Menschen mit seinen Zaubereien und als Kabarettist. „Nun sind alle Auftritte auf nicht absehbare Zeit weggebrochen“, sagt er. Finanziell habe er große Einbußen. „Aber es geht auch wieder vorbei“, ist er überzeugt. „Den Kopf in den Sand zu stecken, ist völlig falsch.“

Ähnlich geht es Baumer. „Eigentlich wäre ich gerade auf Tournee“, sagt sie. „Viele Auftritte wurden auf 2021 verschoben, das ist echt krass.“ Große Hoffnungen setzt sie wie auch viele andere bayerische Künstler in einen aufgelegten Hilfsfonds der bayerischen Staatsregierung, der ihre Einnahmen teilweise kompensieren soll. „Ich hätte nie gedacht, dass ich mich mal vor Söder verneige“, sagt sie. Normalerweise nehme sie den Politiker in ihrem Kabarett-Programm auf die Schippe. „Ich lasse ihn nun zwei Jahre in Ruhe“, kündigt sie schelmisch an.

Mit Quarantänekunst machen die Künstler nun auf sich und ihre prekäre Lage aufmerksam. Die Künstler schicken Baumer Videos von sich und sie koordiniert die Beiträge, die in den sozialen Medien wie Facebook, Instagram und auf youtube gezeigt werden. Es ist ein buntes Programm: Zu sehen ist ein Schwertschlucker in der Badewanne, Gesangs- und Tanzeinlagen sowie viele kabarettistische Beiträge, die Menschen zum Lachen bringen sollen. „Ich finde das Engagement der Künstler grandios“, sagt sie.

Gleich zu Beginn hat die Gruppe ein Quarantäne-Lied kreiert, den sie bei youtube veröffentlicht haben und der sich aktuell rasend schnell im Netz verbreitet. Die Künstler besingen humorvoll ihre Lage und bitten darum, dass man an sie denkt. Vor allem auch, wenn die Krise vorbei ist. „Für viele Solo-Künstler kann der lange Ausfall das Ende ihrer Karriere bedeuten“, erklärt Baumer. Sie hätten nicht die finanziellen Polster, um lange Durststrecken zu überbrücken. Denn die Kosten für den Lebensunterhalt laufen weiter.

Die Idee für den Song hatte Baumer. Sie stellte sie bei Facebook vor und bekam sofort positives Feedback. Der Musikproduzent Martin Gerke aus Köln erklärte sich spontan bereit, den Song zu machen. Die Sängerin und Kabarettistin Viktoria Lein übernahm den Gesang. Innerhalb kurzer Zeit war durch die Zusammenarbeit das Lied geboren, das nun die Künstler für ihre Eigenwerbung nutzen. Verbunden ist damit die Hoffnung, dass es ihnen langfristig etwas bringt. „Das wäre das Schönste“, sagt Baumer.

 

Viktoria Lein übernahm den Gesang. Foto: Viktoria Lein

 

Rudy Christl glaubt daran und stärkt der 33-jährigen Künstlerin mit seinem Engagement den Rücken. „Irgendwann kommt was zurück“, ist er überzeugt und hofft, dass die Corona-Krise auch den Blick auf Künstler und ihren Einsatz für die Gesellschaft verändert.

Quarantänekunst wurde am 13.3. von der ehemaligen Regensburger Studentin Christina Baumer gegründet. Es ist ein deutschlandweiter Zusammenschluss von Künstlern. In kurzen Videos stellen sie sich und ihre Kunst vor. Die Videos werden in den Sozialen Medien wie Facebook, Instagram und youtube gezeigt. Den Künstlern geht es darum, auf ihre prekäre Situation aufmerksam zu machen und die Menschen zu unterhalten. Als erstes Großprojekt haben die Künstler einen Quarantäne-Song produziert, der sich aktuell verbreitet. Weitere Informationen finden Sie unter https://www.facebook.com/kunstinquarantaene/.

Autorin:
Martina Groh-Schad
Fotoquelle Titelbild: Christina Baumer

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