Die Rengschburger Herzen machen sich für Bedürftige stark

Die Rengschburger Herzen machen sich für Bedürftige stark

 

Die Rengschburger Herzen stehen für schnelle und unbürokratische Hilfen für bedürftige und einsame Menschen.  Innerhalb von zwei Jahren hat der Gründer des Vereins, Arno Birkenfelder, ein Netzwerk an Unterstützern aufgebaut, in dem viele Menschen gemeinsam an einem Strang ziehen.

Von Martina Groh-Schad

Regensburg – Es geht eng zu auf dem Hof von Arno Birkenfelder in der Straubinger Straße in Regensburg, wo er seinen Autohandel betreibt. Die Autos parken dicht nebeneinander. Dazwischen steht ein Container, in dem sich Fahrräder stapeln. Weiter hinten entdeckt man einen großen  Anhänger, auf dem das  Logo der „Rengschburger Herzen“ prangt. „Wir bräuchten dringend mehr Lagerfläche“, sagt Arno und streicht sich nachdenklich über den Kopf. Arno trägt Glatze und blaue Jeanslatzhose. So kennen ihn alle: Freunde, Geschäftspartner, Kollegen und Hilfsbedürftige. Zwischen seinen Autos türmen sich seit eineinhalb Jahren allerlei Dinge, die Menschen brauchen können: Kleidung, Lebensmittel, Spielsachen, Sockenwolle oder Rucksäcke und noch vieles mehr.  Arno nimmt alles, was er bekommt und verteilt es mit seinen Helfern an Menschen, die es brauchen können.

Angefangen hat alles Weihnachten 2018 im Leeren Beutel. Das Vorbild von Arno ist Frank Zander, der seit vielen Jahren in Berlin zu Weihnachten Obdachlose zum Essen einlädt. Sowas wollte Arno auch in Regensburg auf die Beine stellen und stieß damit beim Gastronomen-Ehepaar Gertraud und Winfried Freisleben auf offene Ohren. Das erste Weihnachtsessen mit rund 200 Gästen ging über die Bühne und kam gut an. Es war ein Angebot für Menschen, die nicht auf der „Sonnenseite des Lebens“ stehen, wie Arno es beschreibt. Er ist selbst in einem Wohnviertel aufgewachsen, in dem viele arme Menschen lebten.  „Das hat mich geprägt“, sagt er. In seiner Familie habe das Geld zwar immer gereicht, aber er hat im unmittelbaren Umfeld Menschen kennen gelernt, bei denen die Not groß war. „Ich habe im Leben viel Glück gehabt und will davon etwas abgeben“, sagt er.

Und er gibt viel. Seine Zeit, seine Kontakte und sein Herz. Er redet nicht lange, sondern er macht. Nach dem ersten Weihnachtsessen ging es Schlag auf Schlag. Gemeinsam mit seiner Frau Monika Hölzl, dem Ehepaar Freisleben, dem Rettungssanitäter Christoph Buchner sowie den Rechtsanwälten Bettina und Christian Buchner gründete er den Verein „Rengschburger Herzen“. Wer der Gruppe seither bei Facebook folgt, erlebt ein Feuerwerk an Hilfsaktion.

Alleinerziehende, Flüchtlinge und alle, die in Not sind, finden bei Arno und seinen „Rengschburger Herzen“ Unterstützung durch Lebensmittel, technische Geräte und Spielsachen. Besonders haben es Arno obdachlose Menschen und einsame Senioren angetan. „Da muss ich was tun“, sagt er. Die Gründe liegen in seiner Lebensgeschichte. Als Kind hat er viel Zeit mit obdachlosen Menschen verbracht, da seine Familie in unmittelbarer Nähe zum Obdachlosenheim wohnte. „Von ihnen habe ich gelernt, dass man ganz schnell unverschuldet in Not geraten kann“, sagt er. Einsame Senioren haben es ihm angetan, weil er seine Mutter am Ende ihres Lebens in ein Heim geben musste. „Ich habe sie jeden Tag besucht und gesehen, wie allein viele ältere Menschen dort sind.“  Um Senioren im Heim die Zeit zu vertreiben, hat Arno mit seinen Rengschburger Herzen auch schon Musiker gewonnen, die vor Einrichtungen Konzerte gegeben haben.

.„Wenn du etwas Gutes machst, dann kommt es zu dir zurück“, ist Arno überzeugt.  Er könne zwar die Welt nicht retten, aber er wolle sein Gesicht für die Armut hergeben. „Ich versuche immer Kontakte zu knüpfen, was an Land zu ziehen und gebe es weiter. Das gefällt mir. Da ist was in Bewegung.“ Das wichtigste Werkzeug von Arno ist sein Telefon.  Arno vereint eine Vielzahl von Bekannten in seiner WhatsApp-Gruppe. Mit dabei sind zahlreiche Unternehmer, die er zum Spenden und zum Helfen animiert. Wenn Arno  davon erfährt, dass jemand Hilfe braucht, dann wendet er sich an die Gruppe oder ruft gezielt Bekannte an, um sie um Unterstützung zu bitten.  Den helfenden Unternehmen oder Einzelpersonen, die mit Spenden dabei sind, dankt Arno via Sozialer Medien. „Wenn jemand etwas Gutes tut, sollte man das auch bekannt machen“, findet  er.

Lebensmittel, Handys, Fahrräder, Kindersachen und was sonst noch von Nöten sein kann, sammelt Arno oft in großer Stückzahl ein und verteilt es. Aktuell hat der Verein etwa 40 Mitglieder und die gleiche Zahl an Unterstützern. 10 bis 15 Leute stehen Arno auf Zuruf zur Seite, wenn es darum geht, Waren, die bei ihm auf dem Hof angeliefert werden zu sortieren, zu verteilen oder direkt an soziale Einrichtungen zu liefern. In der Hochphase von Corona kamen die Menschen auch zu Arno und sein Herzen-Team auf den Hof des Autohandels, um sich vor Ort Lebensmittel-Pakete und andere Dinge abzuholen.

„Den Leuten gefällt, dass die Hilfen von Arno eins zu eins bei Bedürftigen ankommen“, sagt Thorsten vom Heu, der im Verein für die Pressearbeit zuständig ist. „Seine Power entwickelt einen Sog“, beschreibt er. „Mit seiner Fahrt reißt er viele Leute mit und aktiviert ihr Sozialgen.“ Arno marschiert voran und sei nicht zu bremsen. „Mir imponiert das“, sagt Vom Heu. Der Geschäftsführer einer Medizintechnik-Firma packt selber mit an, wenn es darum geht, Lebensmittel zu verteilen. „Als mir  eine Mutter erzählte, dass ihre Kinder vier Tage nur Zwieback zu essen hatten, trieb es mir  die Tränen in die Augen“, sagt er. „Da merkt man, dass man etwas Sinnvolles macht.“

Wichtige Stütze von Arno ist seine Frau Monika Hölzl, die er als „Fels in der Brandung“ bezeichnet. Seit 20 Jahren sind sie ein Paar. Sie kümmert sich um alle bürokratischen Abläufe des Vereins und hält Arno den Rücken frei. „Der Arno war schon immer so, dass er helfen muss, wo er nur kann“, sagt sie. Am Anfang sei ihr Bange geworden, ob der vielen Arbeit, die durch den Verein zusätzlich auf sie zukam. Als sie merkte, wie viele Helfer Arno mobilisieren konnte und wie viel Freude es ihm selbst bereitete, waren alle Sorgen beiseite gewischt. „Es gibt uns viel, wenn wir helfen können.“

Das neueste Projekt der Rengschburger Herzen steht schon in den Startlöchern. Arno und sein Team wollen einsamen Senioren Herzenswünsche erfüllen. Ausflüge ins Regensburger Umland, ein ausgiebiger Besuch in einem Café, ein Konzertbesuch oder ein ausgefallene Wunsch, wie die Mitfahrt im Beiwagen eines Motorrads. Für Ausflugsfahrten steht dem Verein ein Kleinbus mit sieben Sitzen zur Verfügung. Im Kofferraum ist  ausreichend Platz für Rollstühle. Den  ersten Wunsch gibt es bereits. „Wir haben Kontakt mit einer Seniorin mit Querschnittslähmung, die früher Bikerin war“, erklärt Arno. „Sie wünscht sich, noch einmal im Beiwagen eines Motorrads eine Ausfahrt zu genießen.“ Ein Wunsch, den die Rengschburger Herzen erfüllen wollen. „Das bekommen wir hin“, ist Arno überzeugt.

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