Engpass beim Blutspenden?

Engpass beim Blutspenden?

Viele Zeitungen und Nachrichtensendungen berichten in diesen Tagen über einen Engpass bei Blutkonserven. In manchen östlichen Bundesländern würden die Vorräte sogar nur noch wenige Tage ausreichen, vermeldet das Deutsche Rote Kreuz und ruft zu Spenden auf. Woran liegt es, dass Blutreserven stellenweise knapp werden? Ist die Spendenbereitschaft gesunken? Wie läuft eine Blutspende eigentlich ab und wird es in Bayern ebenfalls Engpässe geben? Wir haben uns in Regensburg umgesehen.
 
Regensburg – Bei der Blutspenden-Aktion des Bayrischen Roten Kreuzes, kurz BRK, am 19. Mai im Marinaforum ist der Andrang um 18 Uhr noch groß. Die Schlange der Freiwilligen reicht bis auf den Vorplatz des Veranstaltungszentrums hinaus, obwohl um 19 Uhr Schluss ist. In sicherem Abstand warten potentielle Spender darauf, an die Reihe zu kommen. Die Stimmung ist gelassen, niemand beschwert sich über die lange Wartezeit. Es scheinen viele Studenten unter den Wartenden zu sein, aber auch ältere Frauen und Männer halten die markierten Abstandsflächen ein.
 
Normalerweise finden die Blutspende-Aktionen in Schulen oder Altenheimen statt. Durch die veränderte, Corona-bedingte Situation muss das BRK nun nach Ausweichmöglichkeiten suchen, um nicht Menschen an Orte zu bringen, an denen Risikopatienten leben oder die durch Schüler eh schon hochfrequentiert sind. Bei der Suche nach einer geeigneten Adresse in Regensburg stieß man auf das Veranstaltungszentrum, wie Rainer Endres, Gebietsreferent beim BRK, mitteilt. Obwohl die Raummiete beachtlich ist, gibt der Zuspruch der RegensburgerInnen der Entscheidung für diesen Standort recht. Anstelle von 160 – 170 Menschen, die an einem offenen Termin zum Spenden kommen, sind es an diesem Tag 233 Freiwillige. Das sind circa 45% mehr als sonst üblich. Aufgrund des guten Zulaufs werde man im Juli einen weiteren Termin im Marinaforum anbieten, auch wenn die Raumkosten hoch sind, so Endres.
 

 
Hat man es durch die Tür ins Innere geschafft, wird zuerst Fiebergemessen. Allgemeine Fragen zum Befinden werden von einem freundlichen Mitarbeiter des BRK gestellt und nach zufriedenstellender Antwort wird man registriert. Anschließend bekommt man einen zweiseitigen Fragebogen zum eigenen Gesundheitszustand in die Hand gedrückt. War man bei der Zahnreinigung oder hat mich sich im Ausland aufgehalten? Nimmt man dauerhaft Medikamente oder leidet man an einer chronischen Erkrankung? Der Blutspendedienst des BRK will genau wissen und wählt zielgerichtet aus, wer mit seiner freiwilligen Spende anderen helfen darf und kann und schließt somit jedes Risiko aus.
 
Nach dem Ausfüllen kommt die nächste Station. Das Hämoglobin, kurz HB-Wert wird durch einen kleinen Stich in den rechten Mittelfinger gemessen. Ein kleiner Tropfen Blut wird mit einem Schnelltest untersucht. Unterschreitet man einen bestimmten Grenzwert, wird man an dieser Stelle entlassen und darf unverrichteter Dinge nach Hause gehen. Ist das Ergebnis im Toleranzbereich, gibt es ein kurzes Gespräch mit einem Mediziner, der zum zweiten Mal Fieber und auch Blutdruck und Puls misst. Sind alle Werte in Ordnung und ist der Fragebogen richtig ausgefüllt, wird man in die große Halle vorgelassen, in der ungefähr zwei Dutzend Liegen mit entsprechendem Equipment und geschultem Personal darauf warten, jedem Spender einen halben Liter Blut abzunehmen.
 
Seit März verzeichnet der Blutspendedienst des BRK eine erhöhte Anzahl an Erstspendern. Diese Entwicklung ist nicht zuletzt den allgemeinen Ausgangsbeschränkungen geschuldet, wie Endres im Interview angibt. Vor allem jüngere Menschen können nicht zum Sport gehen oder Fußball spielen. Daher nutzen sie diese gesellschaftlich sinnvolle Beschäftigung, um rauszukommen. Ob dieser Trend anhält, ist noch nicht absehbar, obwohl es in nächster Zeit wichtig wäre, dass vermehrt Spender zu den offenen Terminen kommen. Rainer Endres klagt, dass viele Termine im Moment nicht stattfinden können. Weder an der Universität, noch an der OTH oder bei der Bundeswehr ist es im Augenblick möglich, Termine zu vereinbaren. Somit entgehen dem Blutspendedienst bei jedem dieser besonderen Vor-Ort-Einsätz an die 200 bis 240 Konserven. „Das ist nicht leicht aufzufangen, zumal auch Termine bei Großfirmen wie Continental im Moment wegfallen“, meint Endres weiter. „Also werden wir uns nach alternativen Orten wie dem Marinaforum auf die Suche machen müssen und Erstspender gezielt ansprechen, damit wir den Bedarf weiterhin decken können. Im Moment gehen Angebot und Nachfrage gerade so auf.“
 

 
Richard, kurz Rich genannt, ist Teamleiter beim BRK vor Ort. Er macht den Job seit 26 Jahre und kann den Freiwilligen an der Nasenspitze ansehen, ob sie Angst vor dem Einstich haben und er weiß auch, wie er die Nervosität der Erstlingsspender mit lockeren Sprüchen vertreiben kann. Es freut einen zu hören, dass er nur dann Blut abnimmt, wenn er eine entsprechende Vene findet. Aufs Geratewohl lossuchen, das würde für ihn nie in Frage kommen. Lieber schickt er jemanden heim, bevor er ihn quälen muss, sagt er mit einem Augenzwinkern.
 
Der Einstich selbst ist zwar zu spüren, doch Rich macht weiterhin seine Witze und der Schmerz ist schnell vergessen. Danach läuft das Blut von selbst. Erst als der Teamleiter sich einem neuen Spender zuwendet, erklingt ein Warnton. Der Fluss ist ins Stocken geraten. Rich kommt zurück, drückt einem eine Packung Taschentücher in die Hand und es läuft wieder. Anschließend bekommt man einen Druckverband, bleibt noch etwas liegen und trinkt danach einen Becher Orangensaft, damit sich der Kreislauf stabilisiert. Einzig der gemütliche Plausch bei einer anschließenden, stärkenden Brotzeit muss wegen der Corona-Krise wegfallen. Dafür wird man mit einem leckeren Lunchpaket ausgestattet nach Hause geschickt. Hoffen wir, dass der Zulauf im Juli ähnlich groß ist und viele Spender einen halben Liter Blut opfern, um anderen Menschen zu helfen.
 
Spenden darf man ab 18 Jahren. Informationen zu Spendemöglichkeiten und Termine gibt aus auf der Webseite des Blutspendedienstes des BRK unter: www.blutspendedienst.com
 
Text: Gerda Stauner
Fotos: Adi Spangler

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